Siebel, Friedrich

…..Teilhaber + Verkaufsleiter bei Klemm + Direktor in Halle

(Auszug aus dem Buch Siebel-Werke Halle (1934-1936) aus der Schriftenreihe zur Luftfahrt-geschichte Heft 9 -Ebert/Mahn/Tack 2011)  Klemm relevante Themen, ergänzt durch eigene Recherchen, Dokumente und Fotos

Friedrich Wilhelm Siebel wurde am 2. März 1891 in Broich (bei Mülheim/Ruhr) als Sohn des mittelständigen Unternehmers Fritz Siebel geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums in Moers war er 1907 technischer Praktikant bei Haniel-Rheinpreußen in Homberg und 1909 Betriebsassistent bei Stinnes und der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG in Dortmund, wo er auch untertage ausgebildet wurde. Anschließend besuchte er die höhere Maschinenbauschule in Dortmund. 1911 war Siebel als Prüffeldingenieur bei der Norddeutschen Motoren AG (NAMAG) in Bremen tätig. 1912 vervollkommnete er seine kaufmännische Ausbildung im Im- und Exportwesen für Motoren und Maschinen z. T. im väterlichen Betrieb. Anschließend geht er als Vertreter für die NAMAG auf eine Weltreise nach Südamerika, Australien und England. In die genannten Jahre fallen außerdem der Bau eines eigenen Autos und seines ersten Flugzeugs sowie Schauflüge auf einem Grade-Flugzeug bei Falderbaum in Bremen.

1914 begann seine Militärzeit mit Eintritt in das Fliegerbattaillon 1 und Ausbildung zum Flugzeugführer. Als Leutnant der Reserve ging er im September 1914 an die Front, wurde technischer Offizier und Führer des Kampfgeschwaders 1. Hier war er bei der Entwicklung der zweimotorigen Friedrichshafener Großflugzeuge unter Direktor Theodor Kober beteiligt. Mit zahlreichen Auszeichnungen beendet Síebel den Krieg und wurde 1918/19 für kurze Zeit Leiter der physikalischen Abteilung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Adlershof. Angesichts der desolaten Lage im Nachkriegsdeutschland betätigte sich Friedrich Síebel nun erstmals politisch in der Christlich-Sozialen Partei unter Friedrich Naumann.

Da die deutsche Luftfahrt – bedingt durch Verbote und Absatzschwierigkeiten A weitgehend ruht, gründete Friedrich Síebel 1919 in Remscheid und Berlin und 1921 in Moskau eigene Firmen für den Handel mit Maschinen, Motoren und Werkzeug, die in fast alle europäische Länder exportiert wurden. Bedingt durch seine guten Kontakte in Moskau verhandelte Síebel im Auftrag des Auswärtigen Amtes deutsch-russische Handelsverträge.
Er bereiste das Land und stellte fest, dass bis zur Errichtung deutscher Ausbildungs- und
Erprobungszentren in Rußland noch einige Zeit vergehen Würde.

Er zog daraus den Schluss, dass man innerhalb der durch die Botschafterkonferenz in Paris verfügten Beschränkungen in Deutschland selbst Fliegerschulen schaffen müsse. Síebel schlug daher dem Reichswehrministerium vor, Fliegerschulen zu errichten, in denen aktive und ehemalige Offiziere ihr fliegerisches Können auffrischen und Anfänger ihre erste Ausbildung erhalten konnten. Mit Wirkung vom l. Januar 1924 wurde daraufhin die Sportfiug GmbH gegründet, die ihre erste Fliegerschule in Warnemünde, in der Nachbarschaft der Heinkel-Werke, eröffnete. Innerhalb von Jahresfrist entstanden acht Weitere Schulen in Böblingen, Berlin-Staaken, Königsberg, Osnabrück, Hannover, Stettin, Schleißheim und Würzburg. Er war Mitbegründer der Rhön-Rossiten-Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges – der Motorflug war zu dieser Zeit immer noch durch alliierte Auflagen behindert –

Er selbst errang 1925 beim Deutschlandflug den 3. Platz auf einer Klemm L 20.

Deutscher Rundflug 1925 ,vl Schrenk,Lörzer,Siebel,Guritzer (Supf)

Deutscher Rundflug 1925 Empfang Böblingen Friedrich Siebel Ansprache vor der L 21 nach Rundflug (HdG)

Nachdem Deutschland von der Federation Aeronautique Internationale (FA1) anerkannt wurde, wurde Síebel deutscher Berater und bereitet den Europarındflug 1928 auf deutscher Seite unter dem Motto „Völkerverständigung über Sportfliegerei“ mit vor. Von nun an war Siebel bei fast jedem nationalen und internationalen Luftsport-Wettbewerbaktiver und erfolgreicher Teilnehmer. Nicht zuletzt dafür wurde ihm 1931 das Goldene Sportfliegerabzeichen des DLV verliehen.

Europa-Rundflug 1932 Siebel Klemm KL32

1933 wurde er Präsident des Deutschen Aeroclubs und 1941 in der Nachfolgeorganisation NSFK zum Ehrenführer ernannt. Bedingt durch sein Wissen um die aktuelle Luftfahrt wurde Siebel zum Mitglied des Luftbeirates im Reichsverkehrsministerium (RVM) berufen.

In den Jahren 1926 gründete der als „Vater des Leichtflugzeugs“ in die Luftfahrt-geschichte eingegangene Dr.-Ing. Hanns Klenım (1885-1961) den Leichtflugzeugbau Klemm OHG in Sindelfingen. Siebel beteiligte sich mit 5.000 RM (gesammte Gesellschaft 150.000 RM) und wurde 1927 L-20 Verkaufsleiter für die für die Berliner Niederlassung. Síebel gelang es sogar, einige Klemm-Flugzeuge nach Australien, Amerika und England zu verkaufen. ln London führte er die Flugzeuge selbst vor.

1927-07 Vorstellung Klemm L20 in Großbritanien_Lusser,Siebel (Pilot) und Loerzer (Flieger) (flight 461)

Durch seine erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben ist Siebel der beste Werber für die Produkte des jungen Unternehmens. Als die Nationalsozialisten 1933 begannen, die Luftfahrtindustrie neu zu strukturieren und für den Aufbau einer Luftwaffe zu erweitern. da forderten sie Hanns Klemm in Böblingen auf, seinen Leichtflugzeugbau aus strategischen Gründen nach Mitteldeutschland zu verlegen. Es gelang Hanns Klemm und wohl besonders seinem Teilhaber Friedrich Wilhelm Siebel die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass es besser sei, den Leichtflugzeugbau, der seit 1926 weltweit begehrte Sportflugzeuge produzierte, zu erhalten und besser ein Klemm-Zweigwerk in Halle zu errichten.

Dass die ab 1937 unter seinem Namen firmierenden Flugzeugwerke in Halle und Schkeuditz voll in die Rüstung der  Nationalsozialisten einbezogen wurden, konnte und wollte Siebel nicht verhindern. Sein Wunsch war der Bau eigener Flugzeuge, weitgehend für den zivilen Gebrauch. Die Typen Fh 104, Si 202 und Si 204 haben das bewiesen.
Automatisch wurde er zum Wehrwirtschaftsführer ernannt.

 

Werbeanzeigen