1927-1945 Unternehmer

Damit Hanns Klemm mit der Arbeit beginnen konnte, waren mit seinem früheren Arbeitgeber noch Fragen  zu klären.

Angesichts der günstigen Entwicklung in Flugzeugbau und Schulbetrieb faßte Hanns Klemm den Plan, die kleine, im Vorjahr gegründete Firma auf eine breitere, wirtschaftlich gesicherte Basis zu stellen. Diesem Plan kam ein völlig unerwartetes Ereignis fördernd zu Hilfe, indem er vom Deutschen Reich 100.000 RM als „Abfindung“ erhielt, um seiner Firma (wie andere Firmen auch) den Übergang zu „normaler“ Friedenswirtschaft zu ermöglichen. Damit konnte er mit den Einlagen der Gesellschafter mit einem Kapital von 155.000 RM am 18. Februar 1927 die „Leichtflugzeugbau Klemm“ umzuwandeln in eine GmbH (LFK)

Wikipedia

1927 Leichtflugzeugbau Klemm GmbHDas Betriebskapital des Unternehmens erhöhte  sich durch ein Aufbaudarlehen der Stadt Böblingen in Höhe von 80.000 RM und eines von 100.000 RM des Landes Württtemberg, Klemm selbst hatte 15.500 Mark eingebracht. Robert Lusser, mit Hanns Klemm vom Daimler gewechselt, wurde neben ihm zum zweiten Geschäftsführer der Gesellschaft bestellt und gleichzeitig zum Chefkonstrukteur. Er ersetzte Schrenk, der zur deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt wechselte.

Mit der Gründung der GmbH konnte Klemm seine vertragliche Tätigkeit als technischer Direktor des Daimler Karosseriebaus unmöglich weiter fortsetzen. Die Verhandlung mit dem Vorstand verlief aber außerordentlich harmonisch und führten zur sofortigen Auflösung des Anstellungsvetrages. Darüber hinaus machte Daimler ihm das Haus in der Sindelfinger Bahnhofsstraße 38 zum Geschenk, in dem Klemm bis dahin als Mieter gewohnt hatte.

Klemm Wohnhaus SindelfingenIm August 1927 erwarb Hanns Klemm den Flugzeugführerschein. Wegen eines Sehleidens war dieser nur auf die Klemm l 20 beschränkt.

Im Jahr 1927 wurde eine nach Klemms Entwürfen und von Luser umkonstruierte Klemm-Daimler L20 eine Klemm KL 25  (Wikipedia) entwickelt, von der 60 Stück gebaut wurden. Beim Europa-Rundflug 1930 belegte Poss mit einer Klemm KL 25 den 2.Platz

Von der Klemm KL 26 wurden etwa 50 Stück gebaut. Beim Deutschlandflug 1931 belegten Dinort und Hirth damit die beiden ersten Plätze. Beim technischen Test des Deutschlandfluges 1931 in der 1.Katogerie dominierten die Klemm-Maschinen. Liesl Bach kam dabei auf den 4.Platz.

1927 flog Hanns Klemm in die USA und wurde dort Charles Lindbergh vorgestellt, der eine Klemm L 20 flog. Seinem guten Urteil über die Maschine ist es wahrscheinlich zu verdanken, daß Hanns Klemm im März 1928 mit seinem Piloten und fünf  Daimler-Klemm L 20 in die USA flog, wo er einen Lizenzvertrag abschloß, der die Gründung der „Klemm-Aero-Marine-Corporation“ zur Folge hatte und ihm die stolze Summe von  45.000 US-Dollar einbrachte.

1929 folgte ein weiterer Lizenzvertrag in Großbritanien. Es wurde die Firma „Britis Klemm Company“ in London gegründet. Zuerst wurden Klemm-Maschinen auf der Basis der Kl 25 gebaut, genannt „British Klemm Swallos„.

Schon im Herbst 1928 war ein Ereignis, daß wieder einmal die gesammte Weltpresse veranlaßte, sich mit dem Leichtflugzeugbau zu beschäftigen, die Solo Weltumrundung von Freiherr zu König-Warthausen (Wikipedia) mit einer L 20. Nach Ende des Fluges im Herbst 1929 wurde ihm der erste Hindenburg-Pokal 1928 überreicht. Dieser Pokal wurde nach ihm noch vier anderen bekannten deutschen Klemm-Fliegern zugesprochen, 1929 Wolf Hirth, 1930 Heinrich Schlerf, 1932 Elly Beinhorn und 1935 Karl Schwabe.

Im Jahre 1930 erwarb Hann Klemm die Sportlizenz:

Im jahre 1931 kam dann noch der Flugzeugführerschein dazu

1933 wurde Hann Klemm Mitglied im Aero Club Deutschland

Beim Europa-Rundflug 1932 waren sieben Klemm-Maschinen unter den ersten vierzehn. 2.Poss 5.Fretz 6.Hirth 7.Cuno 9.Lusser 14.Osterkamp

1931 unternahm Elly Beinhorn den ersten ihrer weltberühmten Flüge, den Afrika-Flug mit einer Daimler-Klemm Kl 26.

Die Erfolge der großen Fernflüge von Klemmfliegern verlangte nach einem bequemen, geschlossenen Reiseflugzeug, es wurde die Klemm Kl 31 und 1932 die Klemm Kl 32 gebaut.

1932  unternahm Elly Beinhorn den zweiten ihrer weltberühmten Flüge, den Weltflug, mit der Klemm Kl 26, die sie schon bei ihrem Afrika-Flug 1931 geflogen hatte. In der Klemm-Kundenreferenz schildert Beinhorn ihre Zufriedenheit mit dem Flugzeug bei ihren beiden Flügen: Beim Europa-Rundflug 1932 waren sieben Klemm-Maschinen unter den besten 14. Robert Lusser verließ 1933 Klemm und wechselte zu Heinkel. Sein Nachfolger als Chef- konstrukteur wurde Dipl.-Ing Fecher.

Ein großer Einschnitt war im Jahr 1933. Dem RLM war die Lage des Klemmwerks in Böblingen zu nahe an der französischen Grenze und verlangte deshalb von Hanns Klemm sein ganzes Werk mehr ins Landesinnere zu verlagern. Nach offiziellen Verhandlungen einigte man sich schließlich 1934 auf ein Zweigwerk in Halle. So begann 1934 auf dem Gelände der ehemaligen Fliegerersatzabteilung 14 in Halle an der Saale der Aufbau der „Klemm Flugzeugwerke Halle/Saale GmbH“.  Als Geschäftsführer wurde Friedrich Siebel bestellt, der später das Werk in Eigenregie weiterführte.

1933 wurde nur ein Exemplar der Klemm Kl 33 gebaut und als Prototyp auf der Deut- schen Luftfahrtausstellung 1933 in Berlin gezeigt.

1935 feierte Hanns Klemm im Stuttgarter Hotel Graf Zeppelin seinen 50.Geburtstag (Foto Seeger)

vl. Hanns Klemm  – Schwester? –  Hellmuth Hirth – Marlott

….und auch die Presse würdigte dieses Erreignis

Um etwa 1938 entstanden diese Fotos von Seeger (Schwager Hanns Klemm) vom Haus in der Böblinger Waldburgstraße:

Luftaufnahme

Einzug Panzerregiment 8

v.l. Frau Seeger, Frau Klemm, Hanns Klemm Tischrunde

Bibliothek

Zu Ernst Udet, damals Generalmajor im Reichsluftministerium, verband Hanns Klemm eine besondere Beziehung, hatte dieser mit Klemm-Maschinen in diversen Filmen mitgewirkt und zahlreiche Schauflüge durchgeführt. Das gute Verhältnis zeigt das Dankesschreiben an Hanns Klemm zu dessen Glückwunsch zum 40.Geburtstag.

Das nächste Flugzeug war die Klemm KL 35, ein Sport-Zweisitzer mit zunächst 80 PS. Mit einer 160 PS Version wurden vom Klemm-Chefpilot Helmut Kalkstein (seperate Seite) im Jahre 1938 fünf internationale Rekorde für Geschwindigkeit und Höhe geflogen.

Die KL 35-Produktionslinie wurde übrigens 1941 vom RLM geschlossen, bis 1942 wurden in der tschechischen Flugzeugfabrik Zlin noch 284 Stück gebaut. Für den Europa-Rundflug 1934 wurde die Klemm Kl36 gebaut, das Flugzeug landete aber auf den hinteren Plätzen.

1936 erfand Hanns Klemm die Halbschalenbauweise und entwickelte den „Klemm-Leim„. Der Leim wurde noch bis 1998 hergestellt  1937 promovierte Hanns Klemm zum Doktor-Ingenieur. Von 1938 bis 1942 wurden drei neue Typen im Schalenbauverfahren gebaut, die Kl 105, Kl 106 und  Kl 107.

1937 erwarb Hanns Klemm den Doktortitel, die Promotionsfeier war in der Alten Post in Stuttgart. In der Mitte Hanns Klemm mit seiner Frau.

Im Jahre 1938 wandelte Hanns Klemm seine Gesellschaft in eine Einzelfirma um.

1939 wurde Hann Klemm zum Wehrwirtschaftsführer ernannt

…und bekam 1940 das Kriegsverdienstkreuz

Da Hanns Klemm sich nicht dem Metall-Flugzeugbau zuwenden wollte,  begann eine schwierige Zeit für die Firma, die sich nur mit der Herstellung von Teilen für den Transport von Segelflugzeugen und Reparaturarbeiten über Wasser halten konnte.

1943 und 1944 wurden auf Grund der großen Erfahrung in der Holzverarbeitung hölzerne Zellen für das Raketenflugzeug  „Komet Me 163“ gebaut.

Das Reichsluftfahrtministerium nahm die NSDAP ab 1943 immer stärkeren Einfluß auf die Unternehmensführung.  Da er seine Mitgliedschaft nicht mehr mit seinem christlichen Glauben vereinbaren konnte, trat er am 27. Mai 1943 aus der Partei aus und trat als Geschäftsführer seiner Firma zurück.

Die Firma wurde am 12. Juni 1944 beschlagnahmt und ein Reichskommissar  eingesetzt.

1944 wurde das Klemm-Werk 1 an der Calwer Strasse durch Fliegerangriffe zerstört. Daraufhin wurde die Firma nach Ebhausen und Nagold verlegt.

In einer einstweiligen Verfügung  vom 23. Oktober 1944 stieß die NSDAP-Kreisleitung Böblingen Hanns Klemm aus der Partei aus, wurde von der Gestapo verhaftet und in das  Stuttgarter Bürgerhospitals eingeliefert. Die Ärzte hielten ihn jedoch nicht für verrückt und ließen ihn nach Hause gehen. Am 19. Januar 1945 wurde Hann Klemm aus dem Wehrwirtschaftsführerkorps ausgeschlossen.

Im März 1945 wurde Klemm erneut von der Gestapo verhaftet, verhört und sein Fall dem Standgericht übergeben. Die Ankunft der französischen Soldaten am 28. April 1945 rettete Hanns Klemm das Leben, da er durch die noch anwesenden Wachsoldaten nach Hause geschickt wurde, nachdem das Gestapopersonal das Weite gesucht hatte. Die Gestapozentrale in Stuttgart befand sich im ehemaligen Hotel Silber – mit Filmbeitrag, heute ist dort ein Dokumentationszentrum.

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