Fusbahn, Margarete

…..eine Schweizer Luftpionierin flog Klemm KL 25 und KL 26

Im Sommer 2017 traf sich die Schweizer SRF-Radio-Redakteurin Cathrin Caprez mit uns in Böblingen, um sich über Margarete Fußbahn zu informieren. Der Bericht wurde am 5.August 2017 erstmals ausgestrahlt.

Foto-Film mit Ton-Ausschnitt (Teil Böblingen/Klemm) auf youtube

WIKIPEDIA

Margarete Fusbahn und Ludwig Werner Fusbahn

Das fliegende Ehepaar

 Ein bekanntes Fliegerehepaar in den 1930-er Jahren waren Margarete Fusbahn 1907-2001, geborene Billwiller, und ihr Ehemann Dr.phil.Ludwig Werner Fusbahn. Das fliegende Ehepaar beteiligte sich an zahlreichen Flugtagen und Wettbewerben, stellte zusammen den internationalen Höhenrekord für Leichtflugzeuge der Klasse C auf und unternahm abenteuerliche Langestreckenflüge bis nach Afri­ka.

Rosa Margaretha Billwiller wurde am 14. Juli 1907 in St.Gallen (Schweiz) geboren. Ihren Vorna­men liest man in der Literatur in verschiedenen Schreibweisen wie Margret, Margaretha, Margrit oder Margaret. Ihr Vater hieß Jaohann Werner Billwiller, ihre Mutter Maria Rosina, geborene Johan­nowsko.

In ihrer Kinderzeit spannten Margret und ihr Bruder oft ihren Hund, einen gutmütigen Airedaleterri­er, vor einen kleinen Leiterwagen und jagten ihn ums Elternhaus. Im Gegensatz zu vielen anderen bekannten Fliegerinnen träumte Margret nicht schon als Kind vom Fliegen, sondern interessierte sich erst im Erwachsenenalter für die Fliegerei.

An einem sonnigen Tag im März 1928 wurde die damals 20 Jahre alte Margret Fusbahn bei einer Fahrt mit ihrem Auto nach Heidelberg von einem Flugzeug überholt. Und dies, obwohl der Tacho­meter ihres Wagens bereits 60 Stundenkilometer anzeigte. Spontan wendete sie und fuhr statt nach Heidelberg nach Böblingen, um sich dort in der Flugschule anzumelden.

Am 13. März 1928 flog Margret Fusbahn – am Doppelsteuer hinter ihrem Fluglehrer Weller sitzend – zum ersten Mal in einem Flugzeug und war hellauf begeistert. Offenbar wollte sie alles auf einmal lernen und hatte weder Geduld noch Sinn für Technik. Wetter-, Karten- und Motorenkunde lang­weilten sie eher. Doch sie besaß eine rasche Auffassungsgabe und große Ausdauer und erwarb im August 1928 als erste Frau auf dem Böblinger Flugplatz den Flugschein A2 mit der Note „sehr gut“. Unmittelbar danach erhielt auch ihr Ehemann Ludwig Werner Fusbahn, den sie zum Fliegen inspirierte, den Flugschein.

Im April 1930 konnte Margret Fushbahn mit ihrem Ehemann als Passagier einen ersten großen flie­gerischen Erfolg feiern. Damals erreichte sie mit einem Klemm-Leichflugzeug eine Höhe von 4.900 Metern und brach damit den Internationalen Höhenrekord für Kleinflugzeuge in der Klasse C. Sie hatte den bis dahin gültigen Höhenrekord um rund 900 Meter übertroffen.

Im Mai 1930 nahm Margret Fußbahn am gemischten Geschicklichkeitswettbewerb in Bonn teil. Dabei erreichte sie den ersten Platz für die Ziellandung und den zweiten Platz für den Postsack-Ab­wurf.

Margret und Ludwig Werner Fusbahn wurden von der Presse als „fliegendes Ehepaar“ bezeichnet. Sie selbst nannten sich „Emil“ und „Franz“. Diese Namen hatten sie aus der Militärsprache über­nommen, wo „Emil“ den Begleiter „Franz“ führt. Das Paar unternahm viele Langstreckenflüfe nach Spanien, Italien, Portugal, Nordafrika (Marokko, Algerien) und ins südliche Afrika.

Von Zeitgenossen wurde Margaret Fusbahn als bildhübsche, schlanke, zarte und goldblonde Frau beschrieben. Oft glaubte man ihr nicht, dass sie fliegen konnte, bis sie den Beweis dafür erbrachte.

Beim Rheinland-Befreiungsflug, der als schwieriger Geschicklichkeitswettbewerb galt, kam Marg­ret Fusbahn imd Juli 1930 unter 65 Teilnehmern auf den vierten Platz. Damit lag sie vor so tüchti­gen Piloten wie Fritz Siebel (1891-1954) aus Berlin sowie den Brüdern Hellmuth Hirth (1886-1938) und Wolfram („Wolf“) Hirth (1900-1959) aus Stuttgart.

Bald genügten Margret und Ludwig Werner Fusbahn Flüge in der Heimat nicht mehr. Sondern sie wollten fremde Länder und Kontinente erobern. 1932/1933 nahm das „fliegende Ehepaar“ am Abessinienflug teil und 1935 erreichte beim Marokko-Sternflug den ersten Platz. Noch galten die Flüge als sensattionell, das Ehepaar wurde zu Vortragsreisen eingeladen, und ihre Bücher fanden reißenden Absatz.

Bei einem Zwischenstop in Kairo während des Abessinienfluges erhielt das im Hotel „Heliopolis“ nahe dem Flugplatzes Almazza abgestiegende Ehepaar einen beunruhigenden Brief. Der abessi­nische Generalkonsul in Berlin machte sich große Sorgen wegen der als außenpolitisch gefährlich geltenden Flugstrecke zwischen Portsudan und Massaua und warnte vor Gefahren auf der anschlie­ßenden Strecke von Massau über Assab nach Djibouti. Die ganze Küste zwischen Eritrea und Dji­bouti (Franzöisch-Somali) sei vollkommen ohne europäischen Einfluß, nur in Assab gebe es einen italienischen Unteroffiziersposten. Die in diesem Landstrich lebenden Menschen seien bekannt we­gen ihrer Wildheit. Sie ließen niemand in ihr Land hinein und würden jeden Mann, der ihnen in die Quere käme, kastrieren.

Nach dem vierten Whisky, den ein schwarzer Boy dem Ehepaar Fußbahn eingoß, beschloss dieses, trotz der Warnung den Abessinienflug fortzusetzen. Einige Tage später kamen sie in Massaua, der heißesten Stadt der Erde, an. Nun waren sie nur noch wenige Kilometer vom Gebiet der angeblich so gefährlichen Dankalis entfernt. Es folgt ein Flug über das tiefblaue Rote Meer und über den grünen Dschungel. Immer wieder dachten die beiden Piloten besorgt an die gefürchteten Dankalis und was sie bei einer Notlandung tun müssten. Mit der Browning-Pistole schießen oder ein paar Goldmün­zen für die Freiheit anbieten? Außerdem kämpften sie gegen böigen Gegenwind, der ihnen den Steuerknüppel zu entreißen drohte. Alle zehn Minuten wechselten sich die beiden im Ruder ab. Ir­gendwann erreichte ihre Maschine des Typs „Klemm“ wohlbehalten Djibouti. Die Fusbahns sahen die Lichter der Stadt und setzten zur Landung an. Ein fliegerisches Abenteuer nahm ein gutes Ende.

Über ihr Verhältnis zur Technik bei der Fliegerei sagte Margret Fusbahn, sie wisse, dass die Ventil­stöpsel Spiel haben müssten, wisse auch warum, aber sie stelle sie nicht gerne ein. Und doch sei sie eine Fliegerin mit ganzer Seele, nur mit der Einschränkung, dass sie dabei eine Frau geblieben sei, mit allen ihren Schwächen. Einem Reporter gegenüber erklärte sie, technische Komplikationen hät­ten ihr stets Schwierigkeiten bereitet und sie sei ihnen instiktiv aus dem Wege gegangen.

Nachforschungen in den Unterlagen der Einwohnerkontrolle Basel ergaben, dass sich Rosa Marga­retha Fusbahn, gebore Billwiller, kurz nach ihrer Scheidung am 5.April 1938 von ihrem Ehemann Ludwig Werner Fußbahn am 16.Juli 1938 in Basel abmeldete. Als ihr Ziel gab sie Afrika an. Am 12.März 2001 starb Rosa Margatha Rodrigues, wie Margret Fusbahn nun hieß, im Alter von 93 Jah­ren in Sintra (Portugal). Das geht aus den Unterlagen des Zivilstandesamtes St.Gallen hervor.

 Das abwechslungsreiche Leben von Margret und Ludwig Werner Fusbahn wird sehr anschaulich in dem spannenden Buch „ Als Frau in die Luft ging. Die Geschichte der frühen Pilotinnen“ (2001) von Jutta Rebmann geschildert (Seite 121-131). An die tüchtige Fliegerin erinnert in Böblingen die Margarte-Fusbahn-Straße in Nähe des Flugplatzes.

Margret Fusbahn mit einer Klemm L25 (HdG Stuttgart)

Walter Spengler, Ehepaar Fusbahn, Hanns Klemm udn Robert Lusser (HdG Stuttgart)

Margret und Heinz-Werner Fusbahn vor einer Klemm L25 (HdG Stuttgart)

Heinz-Werner Fusbahn mit einem Maschinisten an einer Klemm L25 (HdG Stuttgart)

Ehepaar Margret und Heinz-Werner Fusbahn vor einer Klemm L25 (HdG Stuttgart)

klemm-kl25-d-1505-salmson-fussbahn-mit-frau-konstanz-1931Klemm KL25 D-1505 Salmson Fussbahn mit Frau Konstanz 1931

klemm-kl25-d-1505-w-nr-109-salmson-ad-9-deco-gmbh-fusshahn

Klemm KL25 D-1505 W.Nr. 109 Salmson AD 9 DECO GmbH Fusshahn

Ehepaar Fusbahn Klemm L26 aV D-2149 1932

Ehepaar Fusbahn Klemm L26 aV D-2149 1932

Zeugnismappe Abessinienflug 1932 Fußbahn

Zeitschrift flight 1937

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