Strassmann, Antonie

….flog mit einer Klemm 1932 vn Pernambuco (Recife) nach Buenos Aires

Antonie StrassmannAntonie Strassmann (* 14. April 1901 in Berlin; † 9. Januar 1952 in New York) war eine deutsche Schauspielerin und Sportfliegerin mit Kunstfluglizenz.

Mit zwei Brüdern und einer Schwester wuchs Antonie Strassmann in der Schumannstr. 18 in Berlin auf. Ihre großbürgerliche Familie um ihren Vater Professor Paul Strassmann (1866–1938), renommierter Gynäkologe mit eigener Klinik in Berlin, war durch ihn patriarchalisch geprägt. Für ihren jüdischen Vater, der 1895 zum evangelischen Christentum konvertierte, deutschnational und gesellschaftsbewusst dachte, war ihr Wunsch nach einer Karriere als Schauspielerin, den sie ihm im Alter von 16 Jahren unterbreitete, ein Novum. Doch seine sportlich in vielen Disziplinen aktive Tochter setzte sich trotzig gegen ihn durch.

Schon 1920 feierte sie große Erfolge als Maria Stuart (Schiller), Iphigenie auf Tauris (Goethe) und schon 1921 als Judith (Hebbel) an der Seite des berühmten Paul Wegener. Unterbrochen durch sehr dramatische Wendungen in ihrem privaten Leben setzte sie die höchst erfolgreiche und gefeierte Bühnenkarriere bis 1930 fort.

Die Liste ihrer schon früh ausgiebig betriebenen Sportarten reichte von Turnen, Schwimmen, Bergsteigen und Skifahren bis hin zum Reiten, Eislauf und Boxen. Diese Sportarten werden von einigen Leuten als ein wenig exzentrisch und, besonders beim Boxen, als modisch im Trend der „Neuen Frau“ betrachtet. Sie befand sich damit in der Gesellschaft von Frauen wie Vicky Baum, Leni Riefenstahl und Marlene Dietrich.

Erste Berührung mit der Fliegerei bekam sie durch ihren Bruder Erwin. Der Leutnant der Luftschiffertruppe im Ersten Weltkrieg und Ballonfahrer stellte wohl die Weiche für ihre Sportfliegerleidenschaft. Am 25. Februar 1928 hatte sie ihren Pilotenschein in der Tasche und wenige Monate später auch ihre Kunstflugberechtigung. Bald sah man sie auf den vielen Flugtagen dieser Jahre als Teilnehmerin hinter dem Steuerknüppel und als sport- lich, elegante Freundin populärer Zeitgrößen. Der preußische Kronprinz, Schauspieler Rudolf Forster und Ernst Udet wechselten sich in dieser Reihenfolge als Liebhaber ab. Strassmann gehörte zum kleinen Kreis deutscher Pilotinnen wie Marga von Etzdorf, Thea Rasche oder Elly Beinhorn, die immer häufiger in der Presse Erwähnung fanden.

Thea Rasche, Elly Beinhorn, Antonie StrassmannRasche Beinhorn Strassmann 1932

Ab 1930 hielt sie sich häufig in den USA auf. Bereits nach kurzer Zeit, Ende 1931, erhielt sie Visum und Quotennummer, um legal in die Vereinigten Staaten zu immigrieren. Sie nahm ihren Wohnsitz in New York. Am 19. Mai 1932 ergriff sie die Chance, mit der Dornier Do X nach Europa zu fliegen. Journalistisch ambitioniert, verfasste sie nach ihrer Landung auf dem Berliner Müggelsee ausführliche Beschreibungen des Überfluges. Ihr letzter großer Flug mit einem Leichtflugzeug führte sie 1932 über 3000 km die Ostküste Südamerikas hinunter. (ausführlicher Bericht siehe unten)

In New York entdeckte sie ihren Geschäftssinn und betätigte sich bis Mitte der 1930er Jahre als Beraterin und Repräsentantin im Technologietransfer zwischen deutschen und amerikanischen Flugzeugherstellern wie Junkers, Messerschmitt, Siemens oder Bendix und Goodyear. Als weiterhin erfolgreiche Geschäftsfrau profitierte sie auch besonders von der Freundschaft mit dem Präsidenten von Zenith Electronics, Commander Eugene F. McDonald, dem Erfinder des Radio-Weltempfängers. Sie erlag 1952, im Alter von 51 Jahren, ihrem langjährigen Krebsleiden. Der Leichnam wurde im römisch-katholischen Friedhof von White Plains, New York beigesetzt. Auf dem Friedhof Berlin-Wannsee am Ehrengrab ihres Vaters Paul Straßmann befindet sich ein Gedenkstein.

(Wikipedia)

Die südamerikanische Reise mit einer Klemm

Die Strategie, exponierte jüdische Vertreter durch Aufträge im Ausland zu schützen, hatte zuerst der Reichsverband der deutschen Luftfahrtindustrie (RDLI) eingeschlagen. Im  August 1932 wurde die Antonie Strassmann von  ihrem Freund Rudolf Lahs, Präsident des  RDLI  ausgesandt, um sich um den Vertrieb deutscher Sportflugzeuge  in Amerika zu kümmern. So kam es zu ihrem letzten großen Flug ueber 3000 KM , und mehr als zwei Monate entlang der Ostkueste Suedamerikas, von Pernambuco(Recife) nach Buenos Aires. In Bahia, Victoria, Rio de Janeiro, Sao Paulo, Montevideo und Buonos Aires absolvierte sie größere Zwischenlandungen.

Antonie flog in ihrer KLemm KL25, die sie von der Klemm-Fabrik in Boeblingen bei Stuttgart nach Friedrichshafen am Bodensee geflogen hatte. Dort hatte Hugo Eckener (1868-1954), Chef der Zeppelinwerke, ihr gestattet, das in Einzelteile zerlegte Flugzeug an Bord des „Grafen Zeppelin“ zu nehmen und mit diesem vom 12. bis 15. September 1932 den Suedatlantik zu überqueren.

Bei der Ankunft in Pernambuco wusste niemand, ausser Antonie, wie das Flugzeug wieder zusammengesetzt werden musste. So baute sie die Klemm alleine wieder zusammen, auf dem winzigen Feld, auf dem der Zeppelin gelandet war und das, wie sich spaeter heraus- stellte, zu klein für den Start des Flugzeuges war. Antonie stellte 15 Brasilianer ein, die das Flugzeug auf ihren Schultern beinahe 20 Kilometer weit durch den Dschungel zu einem Flugfeld trugen, das den Anforderungen genügte. Die brasilianischen Zeitungen waren von Antonie genau so begeistert, wie die amerikanischen: “Antonie Strassmann ist eine schoene Frau von eher dunklem Typ“, schrieb die eine.“ Sie strahlt Energie und Freundlichkeit aus, ihre zutiefst freundliche Art zu reden beeindruckte uns; und die Bescheidenheit mit der sie von ihrem intensiven Leben als Fliegerin sprach.“

Antonie brauchte eine Woche, um von Pernambuco nach Rio de Janeiro zu fliegen. Dort wurde sie von Representanten der Stadt, Journalisten und Vertreter der deutschen Kolonie in Brasilien empfangen. Sie bedankte sich bei der brasilianischen Luftpost, die ihr erlaubte, waerend des Fluges ihre Einrichtungen zu benutzen. Im Diario de Pernambuco sprach sie am 15.Oktober 1932 ueber die Begeisterung, die sie für Brasilien empfand:
Land voll Sonne und Licht! Brasilien ist einfach bezaubernd. Ich habe niemals ein Panorama gesehen, das so endlos und bedeutsam war und so voller Schönheit. Alle Soehne und Toechter dieses Landes sollten einmal Brasilien aus der Luft sehen, durch das Fenster eines Flugzeuges…Ich habe Teile des Staates Rio ueberflogen und bin sogar noch mehr darueber begeistert, was ich gesehen habe. Aller Dank gebührt meinem Flugzeug, das absolut perfekt ist und hoch in der Luft all meinen Befehlen gehorcht.“

Hanns Klemm bedankte sich bei Antonie mit einer silbernen Servierplatte, auf der die Reiseroute eingraviert wurde. Ob ihr Brasilienflug dazu beitrug, das Klemm mehr Flugzeuge in Suedamerika verkaufen konnte, ist nicht belegbar.

Antonie fragte 1947 in einem Brief an Heinkel, wo Hans Klemm jetzt sei: „…das ist einer der wenigen, von denen ich nichts gehoert habe.“ „Erinnerst du dich noch an seinen beruehmten Ausspruch: “da isch dem Dannauser sei`Venusberg der reinschte Dreck dagege…“? Heinkel anwortete aber später, am 6.Juli 1950:“ Klemm lebt noch und ist immer noch der verrueckte Kerl wie früher.

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