Lusser, Robert

…. studierte wie Klemm und Wolf Hirth an der Uni Suttgart

WIKIPEDIA

 beruflicher Werdegang  Quelle

    • 1927 Klemm Chefkonstrukteur Böblingen
    • 1932 Heinkel Rostock
    • 1934 Bayrische Flugzeugwerke (BFW)  Augsburg (später Messerschmitt)
    • 1938-1941 Heinkel technischer Direktor Rostock
    • 1942 Fieseler-Werke Kassel
    • 1948 US-Navy Point Mugu (Kalifornien)
      • Pasadena Jet Propulsion Laboratory
    • 1954 US-Army Huntsville (Alabama) Raketenprogramm
    • 1959-1964 zuück nach Deutschland technischer Geschäftsführer beim Entwicklungsring Süd (Gemeinschaftsunternehmen der Unternehmen Ernst Heinkel Flugzeugbau GmbH, Messerschmitt AG und der Bölkow GmbH)

  • 1925  KLEMM

Robert Lusser war maßgeblich am Aufbau der selbständigen Klemm-Firma und an der Entwicklung des Leichtflugzeugbaus beteiligt.

Nachdem der Deutsche Rundflug 1925 so erfolgreich für die Klemm-Flugzeuge zu Ende ging, wollte die neu gegründete Firma Daimler-Benz den Flugzeugbau nicht fortführen. Er sollte sich ganz auf die Leitung des Karosseriewerkes Sindelfingen konzentrieren. Als dann auch noch sein Chefkonstrukteur Martin Schrenk zur Deutschen Versuchsanstalt in Adlershof ging, war Hanns Klemm sehr niedergeschlagen. Und plötzlich erschien jetzt auch noch Robert Lusser, der begeistert während des Rundfluges bei ihm vorsprach und unbedingt bei ihm anfangen wollte. Klemm hatte ihn dann eingestellt. Robert Lusser arbeitete sich rasch und gut in die Materie ein, obwohl es eigentlich für ihn nicht viel Arbeit gab.  Lusser wurde Chefkonstrukteur der am 18. Februar 1927  neugegründeten „Leichtflugzeugbau Klemm GmbH„. Das folgende Foto vom Juli 1927 zeigt Lusser, Siebel (Pilot)  und Loerzer (Flieger bei Rundflügen) bei der  Vorstellung der Klemm L20 in Großbritanien.

Als Pilot und Kunstflieger gewinnt Lusser internationale Flugwettbewerbe. Die Zeit mit Robert Lusser zwischen 1927 und 1932 waren für Hanns Klemm die wohl erfolg-reichsten und glücklichsten.

Robert Lusser und KlemmLusser mit Hanns Klemm

1928 Dipl. Ing. Robert Lusser im Gesprach vor einer Klemm L20 (HdG)Lusser im Gespräch vor einer L20 (HdG Stuttgart)

1928 Robert Lusser vor L20 mit 20 PS Mercedes-Motor Daimler F 7502, hinten Hanns Klemm (HdG)Lusser vor L20 mit 20 PS Mercedes-Motor Daimler F 7502, h. Hanns Klemm (HdG)

  • 1932 HEINKEL

Noch in 1932 wechselte Robert Lusser von Klemm (im Krach ?) zu den Ernst-Heinkel-Flugzeuhwerken nach Rostock und entwarf dort die Heinkel He 71, ein kunstflug-taugliches Schulflugzeug für Fortgeschrittene, das auch für die Ausbildung künftiger Jagdpiloten geeignet sein sollte. Ein Prototyp (D-2390) wurde fertiggestellt, Heinkel entschied sich jedoch nicht für eine Serienfertigung. Elly Beinhorn verwendete die Maschine zu ihrem 2.Afrika-Flug, am 13. August 1934 ging die He 71 bei einem Unfall zu Bruch.


  •  1934 Bayrische Flugzeugwerke (BFW) später Messerschmitt

Ende 1934 wechselte Robert Lusser, vermutlich auf Anweisung des RLM, in die BFW als Chef des Entwicklungsbüros. Unter dem technischen Geschäftsführer Willy Messerschmitt, der ja selbst Entwicklungsingenieur war und den er geradezu krank-haft hasste (Original Zitat Ernst Heinkel) hat Lusser die Bf 108 und darauf die Bf 109 konzipiert. (siehe Kommentar)

Lusser und Messerschmitt
 
                                                      v.l. Lusser Galland Udet Messerschmitt

Bf108 bekannt auch als „Taifun“

Elly Beinhorn mit „Taifun“

Bf109 berühmt als “Me109“.

Me 209 entwickelt von Lusser, bricht den absoluten Geschwindig­keitsweltrekord.

Me 110

Me 262 Mit den Erkenntnissen, die Hans-Joachim Papst von Ohain zum Turbostrahl-antrieb entwickelt hatte, ist Lusser am Prototyp beteiligt.


  • 1939 HEINKEL

Am 01. Juni 1939 wechselte Lusser zu Heinkel als Technischer Direktor.

Heinkel Mitte, Lusser mit Hut

Mit seiner He280 wird der erste zweistrahlige Jäger der Welt geschaffen. Der Erst­flug der He 280 V-2 mit eigenem Antrieb über nur drei Minuten war am 30.März 1941 durch Dipl.-Ing. Flugkapitän Fritz Schäfer.

Einsitziger Mitteldecker

  • Schalenbauweise mit Dop­pelseitenleitwerk
  • gerade Tragfläche ohne Pfeilung mit mehrteiligen Landeklappen
  • umschaltbare Steuerung für Schnellflughydraulische taktische Luftbremsen
  • erstmaliger Einbau eines Press­luft-Schleudersitzes (später mit Einbau einer Druckkabine)
  • und schließlich ein Bugrad-Fahrwerk.

He 219 Der erste reine Nachtjäger wurde von Lussers Team Team entwickelt, gleichwohl lehnte das RLM die Maschine als zu kompliziert ab. Lusser wurde daraufhin von Heinkel gekündigt.


  • 1941 FIESELER

Fieseler FI 103 (V1)  1941 wechselt Lusser als technischer Direktor zu den Fieseler-Flugzeugwerke  in Kassel. Er entwickelte dort mit dem Ingenieur Willy Fiedler und Fritz Gosslau (von den Argus-Werken) die Fieseler Fi-103, der erste militärisch eingesetzte Marschflugkörper. Sie wurde als eine der „Wunderwaffen“ in der NS-Propaganda des 2.WK. Die Entwicklung der Gerhard-Fieseler-Werke in Kassel trug den Tarnnamen FZG 76 für Flakzielgerät 76. Der erste Test der Fi 103 fand am 24. Dezember 1942 in der Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West, auf drei eigens dafür errichteten Startrampen am nordwestlichsten Ende der Insel Usedom statt. Mit der V1 stand Robert Lusser in direktem Konkurrenzkampf mit Werner von Braun mit der V2. Bei einer Flugvorführung vor Vertretern des RLM kamen alle drei V1 nicht über die Startphase hinaus, während alle V2-Starts erfolgreich waren. Trotzdem durfte Lusser weiterentwickeln und löste die technischen Probleme, im Frühjahr 1944 war die V1 einsatzbereit. Vom 12.Juni 1944 bis März 1945 wurden ca. 12.000 Fi 103 von der Wehrmacht hauptsächlich gegen Ziele in England (London) und Belgien (Hafen von Antwerpen, Lüttich) eingesetzt.

Später wurde auch noch eine bemannte Version vorgestellt.

Seine mit der Fieseler Fi 103 gemachten Untersuchungen und Erfahrungen mit komplexen Systemen führen zur Postulierung des Lehrsatzes, dass die Zuverlässigkeit eines Gesamtsystems nur so gut ist, wie das Produkt der Zuverlässigkeit der Einzelsysteme. Seine Gleichung  wird Lussers Gesetz genannt. Sie wurde zusammen mit dem deutschen Mathematiker Erich Pieruschka entwickelt.


  • 1948 USA

Lusser wird 1948 nach Point Mugu (California) geholt (“Operation Paperclip“), um dort zunächst für die US Navy zu arbeiten; nach einer weiteren Zwischenstation am Pasadena Jet Propulsion Labora­torium kommt er 1954 nach Huntsville (Alabama), wo er zusammen mit Wernher von Braun an der Entwicklung am amerikanischen Raumfahrtprogramm (u.a. Redstone-Rakete) arbeitet.

Interessante Artikel aus dieser Zeit:

Ein Foto v. 1956:  V.r.n.l. Robert Lusser (V1), Wernher von Braun (V2), Hermann Oberth, Ernst Stuhlinger, Chefwissenschaftler von Brauns, Brigadegeneral Holger F. Toftoy

Lusser überwarf sich mit Werner von Braun, u.a. für die Aussage während eines Inter- views mit einem Reporter „es würde nie ein Mann den Mond betreten-geschweige denn zum Mars“, das Risiko des Misserfolges wäre viel zu groß.

In einem Memorandum mit dem Titel „Planning and Conducting Reliability Test Programs for guided missiles“ veröffentlichte Lusser seine Überlegungen aus seinen Erfahrungen mit der Entwicklung der Fieseler F 103 (V1). Damit war sein Amerika-Aufenthalt praktisch beendet, denn die USA wollten unbedingt das Raketenprogramm, zumal die UDSSR schon einen Vorsprung in der Weltraumforschung hatten. Die Columbia Shuttle-Katastrophe von 2003 mit sieben Opfern gab seiner Warnung praktisch Recht, es wurde der Ausdruck „Lusser’s Law“ geprägt.


  • 1959 DEUTSCHLAND

Im Januar 1959 kehrte Lusser nach Deutschland zurück und wurde Technischer Direktor des Entwicklungsringes Süd (EWR), eines Gemeinschaftsunternehmens der Ernst Heinkel Flugzeugbau GmbH, der Messerschmitt AG (Pressenotiz) und der Bölkow GmbH. Dort entwickelte er die EWR VJ 101, ein strahlgetriebenes, senkrechtstartendes, überschallschnelles deutsches Experimentalflugzeug. VJ stand für „Versuchs-Jäger“. Ursprünglich sollte die Maschine zu einem VTOL-Nachfolger für die F-104G Starfighter weiterentwickelt werden. Diese Pläne wurden später fallen gelassen.

In Strauß‘ Auftrag überprüfte der Robert Lusser die Zuverlässigkeit des F-104. Er berechnete Aufgrund seiner Erkenntnisse über Zuverlässigkeit komplexer Systeme die Unzuverlässigkeit des F-104 Starfighter, der für die neu gegründete Luftwaffe zu einem Allzweckflugzeug und Atomträger umgebaut worden war, eine Absturzmarge von einem Fünftel der Maschinen. Er empfahl als Rettungsmaßnahme, die Atomschlagselektronik wieder auszubauen. Strauß wollte aber auf die atomare Option nicht verzichten. Doch sei­ne Kritik ist politisch nicht erwünscht und kommt dem deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß so ungelegen, dass Lusser kalt gestellt wird, sein Vertrag bis Ende 1964 wird nicht verlängert.

Lussers Warnung bestätigte sich grausam: Die Bundeswehr verlor fast ein Drittel ihrer Starfighter; bei 292 Abstürzen kamen mehr als hundert Menschen ums Leben, der Starfighter wurde im Volksmund „Witwensarg“ genannt. Robert Lusser hatte recht gehabt.

 

 


  • 1964 Erfinder der modernen Sicherheitsbindung

Während eines Skiurlaubs 1963 reißt bei einem „Probesturz“ im Hotelzimmer mit neuer Skiausrüs­tung seine Achillessehne. Schon im Krankenhaus und noch während seiner verbleibenden Zeit beim Entwicklungsring Süd bis Ende 1964 beginnt er eine neue Skibindung  zu entwickeln, die er später der Samuel G. Wyss AG in der Schweiz anbietet.

 

Man kann sagen, daß Robert Lusser der „Vater“ der modernen Sicherheitsbindung ist. Die erfolgreiche Markteinführung in Deutschland, Schweiz und Österreich sowie in den USA kann er nicht mehr miterleben. Nach einigen weiteren Jahren war die Bindung vom Markt verschwunden. Andere Skibindungshersteller hatten unter Anwendung seiner Sicherheitsprinzipien nachgezogen.

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5 Antworten zu Lusser, Robert

  1. Marton Szigeti schreibt:

    Völlig vergessen wurde hier, das Lusser im Krach von Klemm zu Heinkel gewechselt hat. Dort hat er die He 71 entworfen. Danach (1933) wurde er (vermutlich) auf Anweisung des RLM in die BFW als Chef des Entwicklungsbüros gesteckt. Unter dem technischen Geschäftsführer Willy Messerschmitt (der ja selbst Entwicklungsingenieur war und den er geradezu krankhaft hasste / Original Zitat Ernst Heinkel) hat Lusser die Bf 108 und darauf die Bf 109 konzipiert.
    Gruß msz

  2. suzannerico.com schreibt:

    Hoping you got my earlier comment?

  3. suzannerico.com schreibt:

    Oh! Well, I’ll try again. I am the granddaughter of Robert Lusser, of whose history you write here. You’ve done a wonderful job. The problem is, when I translate into English, his name is spelled wrong – Lussier instead of Lusser. Is there a way to fix this?

    Vielen dank!
    Suzanne Rico
    Journalist

    • buergertreff schreibt:

      Sorry, I have no possibility to correct the automatical translation. Do you have more informationen abut your grandfather and know the TV-Film Petra Reinfelder und Benedikt Burkard, Regie: Robert Lusser und die „V1“ – Hitlers Ingenieur und die „Wunderwaffe“. Dokumentation, 2008, 45 Min
      Reinhard knoblich

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